Andrea Thümmel - Heilpraktikerin
Praxis

Yoga: Tiefe Entspannung - kräftiger Körper - klarer Geist

Warum Yoga so perfekt in unsere Zeit passt

Unser Leben ist hektisch und gleicht nicht selten einer Achterbahnfahrt. Man trifft kaum einen Menschen, der keinen Stress hat. Und kaum jemand kann sich noch richtig entspannen. Vielmehr geraten die meisten von uns reflexartig unter unangenehme Hochspannung, wenn sie das Wort Entspannung nur hören. „In“ ist scheinbar nur der, der rund um die Uhr aktiv ist. Dass man dabei Gefahr läuft, sich und die eigene Mitte zu verlieren, ist nachvollziehbar. Wer jedoch nicht in seiner Mitte lebt, gerät ins Wanken. Körperlich, seelisch und geistig. Bluthochdruck, Burn out, Krebs, Depressionen, Herz-Kreislauferkrankungen sind einige Beispiele für ein Leben abseits der Mitte. Die Frage nach dem Sinn des Lebens sowie der Wunsch, sein Leben komplett umkrempeln zu wollen, um wieder in die Mitte zu kommen, taucht daher auch immer häufiger in meiner Praxis auf. 

Warum können wir nicht mehr entspannen? Auf der einen Seite leben wir in einer Gesellschaft, in der das Leistungsprinzip das Maß aller Dinge ist. Erfolgreich zu sein, gehört fast schon zum guten Ton; wer beruflich ganz vorne dabei sein und Karriere machen möchte, kommt nicht umhin, permanent mehr zu leisten als der Durchschnitt. Und selbst wer keine Karriere anstrebt, kann sich dem unterschwelligen Druck emsiger, „besser-sein-wollender“ Kollegen kaum entziehen.  Ganz extrem spüren Menschen im mittleren Management diesen Druck. Von oben kommt der Druck aus der Chefetage und wird unbewusst nach unten an die Mitarbeiter weitergegeben. Menschen in dieser Position fühlen sich oft, wie die Bandscheibe einer Wirbelsäule, die dem Druck irgendwann nicht mehr standhalten kann und reißt. Selbst unsere knapp bemessene Freizeit und der Urlaub wollen aktiv gestaltet sein. Nichts tun wird oft gleich gesetzt mit faul sein. 

Andererseits haben wir verlernt, uns zu entspannen. Allein das ruhige Sitzen oder das aufmerksame Zuhören fällt den meisten Menschen unendlich schwer. An der Supermarktkasse werden wir nervös, wenn wir nur fünf Minuten warten müssen, und der langsamere Autofahrer vor uns lässt den Blutdruck in die Höhe schnellen. Wir fühlen uns als Opfer einer Gesellschaft, die rund um die Uhr Aktivität erwartet. Je aktiver wir allerdings sind, je mehr wir in einen Tag packen, desto mehr macht sich das Gefühl breit, keine Zeit zu haben. Ein paradoxer Zustand, der mit der fehlenden Achtsamkeit für den Augenblick zu tun hat.

Der Trend, immer auf Hochtouren zu laufen, geht früher oder später zu Lasten der Gesundheit. Dabei muss Spannung und Entspannung gar kein unvereinbarer Gegensatz sein. Sowohl Spannung als auch Entspannung sind natürliche, rhythmische Zustände des Lebens. Ihr Herz zum Beispiel folgt diesem Rhythmus aus Anspannung und Entspannung in jeder Minute mehrmals. Der Schlaf-Wach-Rhythmus ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Natur die Anspannung ebenso vorgesehen hat, wie die Entspannung. Die Kunst ist nur, in Balance mit beiden zu leben und das eine nicht als negativ und das andere als positiv zu bewerten.

Loslassen, nein sagen können, auf die innere Stimme hören und im Augenblick leben – das sind die Schlüssel auf dem Weg zu genau dieser gesunden Balance. Am besten zu erreichen durch gezielte Entspannungstechniken. Zwei dieser, auch in meiner Praxis angebotenen, Techniken sind Yoga und Meditation.

Yoga ist eine über 3.500 Jahre alte Tradition, die ihre Wurzeln in Indien hat. Der Sanskritname Yoga bedeutet wörtlich übersetzt „anjochen“, „zusammenbinden“. Das Ziel von Yoga ist demzufolge, Körper und Geist zusammenzubringen und als eine Einheit wahrzunehmen. Die Körperübungen, Asanas genannt, dienen dazu, den Geist zu konzentrieren und die Gedanken zur Ruhe zu bringen. Als erwünschter Nebeneffekt wird der gesamte Muskel- und Halteapparat des Körpers durch gezielte Yoga-Übungen gleichzeitig gestärkt und gedehnt. Schon nach wenigen regelmäßigen Übungseinheiten spürt man, wie man weicher und weiter in die Übungen gleitet. Körperliche Verkrampfungen verschwinden oft ganz nebenbei. Im Gegensatz  zu unserem Alltag geht es im Yoga nicht um Leistung, sondern im Gegenteil darum, die eigenen körperlichen Grenzen zu spüren und zu akzeptieren. Aus diesem Grund ist Yoga für jeden geeignet, ob jung oder alt, ob gesund oder mit körperlichen Beschwerden. 

Etwas mehr Zeit benötigt, wer die positiven Einflüsse der Meditation auf den Geist spüren möchte. Das Einlassen darauf, der inneren Welt durch minutenlange Ruhe näher zu kommen, die Bereitschaft, die Gedanken kommen und gehen zu lassen, sich frei zu machen vom ewigen Bewerten, fällt anfangs nicht leicht. Nach einiger Übung können 15 Minuten Meditation allerdings so erholsam wirken wie ein 8-Stunden Schlaf. Tiefe Entspannung und Gelassenheit sowie ein Lächeln auf den Lippen, das wohlige Gefühl, mit sich und der Welt im Reinen zu sein, machen sich nach einer Meditation breit. Die Meditation wirkt wie eine sanfte Massage für den Geist und ist der perfekte Ausgleich zu unserem hektischen Alltag.

Die angenehme Wirkung einer Meditation ist dabei nicht nur subjektiv fühlbar, sondern lässt sich sogar wissenschaftlich nachweisen. Die Tätigkeit unseres Gehirns wird in Hertz gemessen. Hertz ist die Einheit für die Messung von Frequenzen und gibt die Anzahl sich wiederholender Vorgänge pro Sekunde an. Tagsüber, wenn wir wach sind, arbeitet unser Gehirn im sogenannten Beta-Zustand in einem Frequenzbereich von 13 bis 30 Hertz. Je länger man sich in Meditation übt, desto schneller kommt man in den gewünschten Alphazustand, in dem die Gehirnwellen bei 6 bis 12 Hertz schwingen, einem Zustand zwischen Wachsein und Schlafen. Sinneseindrücke werden zwar in aller Deutlichkeit wahrgenommen, aber nicht interpretiert und beurteilt, im Kopf entsteht eine wohltuende „Leere“.  Im Alphazustand gelingt es, beide Gehirnhälften gleichzeitig zu aktivieren. Dadurch erlebt man nach einer gewissen Zeit der Übung nicht selten, dass sich Bilder vor dem geistigen Auge formen. Den Alphazustand kennt jeder von uns als sogenanntes „Dösen“. Wir erleben ihn automatisch zweimal am Tag. Einmal morgens kurz vor dem Aufwachen und ein weiteres Mal abends, kurz vor dem Einschlafen. 

Machen Sie sich diesen Zustand tiefster Entspannung zu Nutze: Erlernen Sie Meditation und Yoga und wenden Sie die Techniken dann Zuhause selbst an. Gruppenkurse für Anfänger in meiner Praxis finden wieder ab Mitte Januar statt. Einzelkurse sind jederzeit buchbar.

5 Übungen für mehr Power im Alltag

1. „Machtvolle Haltung“ (Sanskrit: Utkatasana)

Ausführung der Übung: 

Setzen Sie sich auf die Kante eines Stuhls. Stellen Sie sicher, dass der Stuhl nicht verrutschen kann. Die Beine sind hüftbreit geöffnet und drücken in den Boden. Heben Sie die Arme über den Kopf. Rücken, Arme und Kopf bilden dabei eine gerade Linie. Jetzt Füße fest in den Boden stemmen, als wollten Sie aufstehen. 10 Atemzüge halten. 

Wirkung: Die Übung kräftigt den Rücken, die Oberschenkel und das Gesäß und stärkt die Arme und den Nackenbereich.

2. „Das Boot“ (Sanskrit: Navasana)

Ausführung der Übung: 

Setzen Sie sich auf einen Stuhl; die Beine sind geschlossen. Lehnen Sie sich zirka 45 Grad nach hinten und winkeln Sie gleichzeitig ein Bein an. Die Arme sind gerade nach vorne gestreckt, der Blick geht über die Fingerspitzen hinaus in die Weite. Die Schultern locker lassen und den Nacken lang machen, aber nicht überstrecken. Der Brustkorb öffnet sich weit. 10 Atemzüge halten, dann die Seite wechseln. 

Wirkung: Sorgt für eine kräftige Bauchmuskulatur und hilft gegen Rückenschmerzen. 

3. „Das Brett“ (Sanskrit: Chaturanga dandasana)

Ausführung der Übung: 

Bitte auch bei dieser Übung darauf achten, dass Stuhl oder Tisch nicht verrutschen!

Stützen Sie sich mit durchgestreckten Armen auf einen Stuhl oder Tisch. Die Schultern von den Ohren wegziehen. Stellen Sie die Zehenspitzen so weit nach hinten, dass Beine und Oberkörper und Nacken eine gerade Linie bilden. Bauch- und Gesäßmuskeln anspannen, sodass das Becken nicht durchhängt.

Wirkung: Regt den Kreislauf an, kräftigt die Rückenmuskulatur. 10 Atemzüge halten.

4. „Der siegreiche Krieger 1“ (Sanskrit: Virabhadrasana 1)

Ausführung der Übung: 

Legen Sie die Hände auf Ihren Stuhl oder die Tischplatte. Machen Sie mit dem rechten Bein einen großen Ausfallschritt nach hinten. Auf die Zehen stellen, die Ferse zeigt zur Decke. Das rechte Bein anspannen und gerade halten. Das linke Kniegelenk ist 90 grad gebeugt, so dass Ober- und Unterschenkel ein rechtwinkliges Dreieck bilden. Das Knie schaut nicht über den Fuß raus! Der Oberkörper streckt sich gedanklich Richtung Decke und wird lang, die Schulterblätter ziehen nach hinten und unten, der Brustkorb öffnet sich in einer stolzen Pose.

10 Atemzüge halten, dann Seite wechseln.

Wirkung: Die Übung verbessert die tiefe Atmung, verleiht innere Kraft und Standhaftigkeit. Die Beinmuskeln werden gekräftigt.

5. „Der siegreiche Krieger 2“ (Sanskrit: Virabhadrasana 2)

Ausführung der Übung: 

Stellen Sie sich zirka einen Meter von Ihrem Stuhl oder Tisch entfernt hin. Winkeln Sie das rechte Bein leicht an und heben Sie das linke Bein gestreckt nach oben. Die Ferse schiebt nach hinten. Beine und Rumpf bilden eine gerade Linie. 10 Atemzüge halten, dann Seite wechseln.

Wirkung: Verbessert den Gleichgewichtssinn; kräftigt die Rumpfmuskulatur.