Andrea Thümmel - Heilpraktikerin
Praxis

Gesundheits-Tipps

Vitamine & Co: Mangel trotz Überfluss

Viele Deutsche sind mit lebenswichtigen Vitaminen unterversorgt

Unglaublich, aber wahr: In einem Land wie Deutschland leiden Menschen über alle Altersgruppen hinweg an Vitaminmangel. Vollen Supermarktregalen zum Trotz. Einen Mangel an Vitalstoffen kann der Körper zunächst sehr lange kompensieren, ohne dabei schwer zu erkranken. Deshalb fällt er auch lange nicht auf. Und wenn man die Symptome dann doch bemerkt, schiebt man sie auf viele Dinge, nur nicht auf fehlende Vitamine und Mineralstoffe.

Die Bestimmung des Vitaminstatus ist keine Standardleistung der Krankenkassen und wird deshalb viel zu selten im Blut gemessen. An der optimalen Versorgung unserer Zellen mit wichtigen Stoffen hängt aber so ziemlich alles: Unsere Ausdauer, Konzentration, Laune und Kraft, unser Denkvermögen, die Leichtigkeit, mit der wir durchs Leben gehen und nicht zuletzt unsere Gesundheit bis ins hohe Alter.

Vor allem an dem Sonnenvitamin D3 und dem Nervenvitamin B12 mangelt es den Deutschen gehörig. So sehr, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) letztes Jahr die bisher empfohlene Dosis zur Aufrechterhaltung des Vitamin D3-Spiegels verdoppelt hat! Eine Seltenheit.

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente haben im Stoffwechsel lebenswichtige Funktionen. Sie sind beim Zerlegen der Nahrung in verwertbare Bestandteile ebenso beteiligt wie Teil von enzymatischen Prozessen und im Zusammenspiel mit Hormonen essentiell. Ohne Vitamine ist Leben einfach nicht möglich. Jedes Vitamin ist an Tausenden von Stoffwechselprozessen beteiligt, die wiederrum darüber entscheiden, ob Sie sich fit und leistungsfähig oder dauerhaft krank und müde fühlen. Da der Körper Vitamine - mit Ausnahme von Vitamin D3 - nicht selbst herstellen kann, müssen sie dauerhaft über die Nahrung aufgenommen werden.

Es gibt insgesamt 14 Vitamine. Man unterscheidet zum einen zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen. Zu den fettlöslichen Vitamine gehören Vitamin A, E, D, K, zu den wasserlöslichen die B-Vitamine, Vitamin K, H, und C. Zum anderen werden Vitamine nach ihren Aufgaben unterschieden. So gibt es zum Beispiel die neurotropen Vitamine, die für den Gehirnstoffwechsel wichtig sind. Dazu gehören alle B-Vitamine. Die antioxidativen Vitamine A, C und E schützen die Zellen vor den sogenannten freien Radikalen. Das sind aggressive Molekülverbindungen, die den Zellen schaden und bei allen Stoffwechselprozessen anfallen oder durch chemische und physikalische Einflüsse von außen erzeugt werden.

Alle Vitamine sind anfällig gegen Licht, Lagerung, Luft und Wärme. Daraus resultiert die logische Empfehlung, so oft wie möglich rohes und frisches Obst und Gemüse zu essen.

Die Antwort auf die Frage, ob wir alle Vitamine und Vitalstoffe in ausreichender Menge mit der normalen Durchschnitts-Nahrung aufnehmen können, lautet ja und nein. Ja, wir könnten, wenn wir uns dementsprechend ernähren und gesund leben würden. Das würde bedeuten, die berühmten 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen, was 500 bis 700 Gramm entspräche, Vollkornprodukte gegen Weißmehlprodukte zu tauschen, den Fleisch- und Wurstkonsum zugunsten von Fisch zu reduzieren sowie Nikotin und Alkohol einzuschränken. Darüberhinaus müssten wir den größten Vitaminräuber unserer Zeit - den Stress - in den Griff bekommen und uns vor schädlichen Umweltbelastungen effektiv schützen können. Und uns dann auch noch dreimal in der Woche für mindestens 30 Minuten im Ausdauersport betätigen. Wer bitte kann das schon? Aus diesem Grund ist neben einer gesunden Ernährung und Lebensweise die wohlüberlegte und mit einem Therapeuten abgesprochene (!) Ergänzung mit Vitaminen durchaus vernünftig.

Während man – trotz der eben erwähnten Argumente - noch darüber diskutieren kann, ob es zur reinen Erhaltung der Gesundheit ausreicht, „nur“ gesund zu essen, wird eine Vitamin-Therapie (Orthomolekular-Therapie) unerlässlich, wenn man bereits im Mangel oder krank ist. Keine noch so ausgewogene Ernährung kann einen Vitaminmangel beseitigen.

Die wichtigsten Vitamine im Einzelnen

B1 – Thiamin: Treibstoff für Ihr Gehirn

Die wichtigste Aufgabe dieses Vitamins ist der Abbau von Kohlehydraten zu Glucose, also Zucker, den Sie im Stoffwechsel als „Brennstoff“ für Muskeln und Gehirnleistung brauchen. B1 steckt in Bierhefe, Weizenkeimen, Haferflocken, ungeschältem Reis und Bananen. Ein Zuwenig macht sich zum Beispiel als Kribbeln in Händen und Füßen oder in Form von Nervenschmerzen bemerkbar.

B2 – Ribolavin: Macht müde Zellen munter

Wichtig für Ihren Fettstoffwechsel, die Energieproduktion in den Zellen und die Regulation der Schleimhäute. Vitamin B2 bekommen Sie über Hühnchen, Milch, Magerquark, Joghurt, Haferflocken. Einen Mangel spüren Sie an anhaltender Müdigkeit, rissigen Lippen, oft entzündeten Schleimhäuten.

B6 – Der Turbo für die Eiweißproduktion

Aus dem in der Nahrung enthaltenen Eiweiß bastelt sich der Körper lebenswichtige Eiweißverbindungen, sogenannte Aminosäuren. B6 ist für die Verwertung des aufgenommenen Eiweißes und den Aufbau in Aminosäuren notwendig. Ein Mangel an B6 kommt also einem Mangel an lebensnotwendigem Eiweiß gleich. Ohne B6 keine Eiweißproduktion im Körper, ohne Eiweiß keine neuen Zellen. Ohne B6 wird über die Nahrung aufgenommenes Eiweiß mit dem Urin einfach ungenutzt ausgeschieden. Und da Eiweiße für fast alle Körperfunktionen essentiell sind - Muskelaufbau, Übertragung von Neurotransmittern an den Nervenzellen, für ein starkes Immunsystem, Haut und Schleimhautaufbau – wird klar, warum ein B6-Mangel ganz verschiedene, vielfältige Symptome machen kann: Hauterkrankungen, Darmbeschwerden, Leistungsschwäche, Infektanfälligkeit, Schwindel, Übelkeit, Nierensteine und vieles mehr. Ihren B6-Wert im Blut sollten Sie kennen. Oder messen lassen. B6 steckt übrigens in Lachs, Huhn, Avocado und Zucchini.

B12 – Für starke Nerven

B 12 schützt unsere Nerven und ist zusammen mit Folsäure (B9) an der Blutbildung beteiligt. Das Vitamin verbraucht sich in Zeiten von Stress rasant schnell. Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Produkten wie Leber, Rindfleisch, Eigelb und Fisch vor. Leiden Sie unter schwachen Nerven, schlechter Laune, depressiven Verstimmungen, Blutarmut, aufgerissenen Mundwinkel oder Zungenbrennen? Lassen Sie Ihren B12-Spiegel im Blut bestimmen. Die meisten von uns sind mit diesem „Nervenschmeichler“ unterversorgt! Vor allem Menschen mit chronischen Magenproblemen und ältere Menschen profitieren von einer Vitamin B12-Ergänzung.

Vitamin D3: Sonnenvitamin mit großem Potenzial

Viele heftige Diskussionen gab und gibt es immer wieder im Zusammenhang mit Vitamin D3, das streng genommen gar kein Vitamin ist. D3 wird unter Sonneneinfluss in der Haut gebildet und in mehreren Schritten in eine für den Körper verwertbare Form umgebaut. D3 ist eines der wichtigsten Vitamine überhaupt. So wichtig, dass die empfohlene Dosis zur Erhaltung im Jahr 2012 von offizieller Seite verdoppelt wurde. Um gut mit D3 versorgt zu sein, muss unsere Haut der Sonne ausgesetzt sein. Der Breitengrad Deutschlands liegt allerdings zu nördlich, die Sonnenstrahldauer pro Tag ist zu gering und auch die Sonnentage pro Jahr sind definitiv nicht ausreichend, um mit diesem wichtigen Vitamin versorgt zu sein. So können an einem schönen Sonnentag zwar bis zu 20.000 IE (Internationale Einheiten) entstehen; das Vitamin baut sich allerdings innerhalb weniger Tage wieder ab.

Spätestens jetzt im Herbst, wenn die Tage wieder kürzer werden und wir unsere Haut wieder mehr vor der Kälte schützen müssen – also keine Sonne mehr an die Haut kommt - leiden wir an D3-Mangel. Und der macht sich bemerkbar: Fehlt D3, so wirkt sich das auf einen verminderten Kalziumspiegel im Körper aus. Das geht vor allem zu Lasten der Knochen. Die Knochensubstanz nimmt ab, die Knochen altern, es kommt zur Osteoporose. Doch D3 hat bei weitem nicht nur Einfluss auf die Knochen. Es ist ein wahres „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“-Vitamin.

Laut internationalen, renommierten Studien hat es unter anderem Einfluss auf die Gesundheit der Haut (kann Hautkrankheiten wie Schuppenflechte verbessern), auf allergische Geschehen (senkt das Risiko für Atemwegsinfekte und Asthma), die Muskelfunktion (ein Mangel kann sich in Muskelschwäche und einem erhöhten Fallrisiko bemerkbar machen), Diabetes, Parodontose, Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen, Angstzuständen. Studien sprechen sogar davon, dass D3 günstig auf Tumore wirkt, also deren Wachstum verlangsamen könnte. Also, keine Angst vor diesen Krankheiten, sondern vorbeugen. Fetter Fisch und Eier sind zwar gute natürliche, aber nicht ausreichende Vitamin D3-Quellen; eine kurmäßige Ergänzung mit Vitaminen vor allem in der Winterzeit ist daher empfehlenswert.

Vitamin C – Die Schutzpolizei unter den Vitaminen

Die Hauptaufgabe von Vitamin C ist der Schutz der Zellen vor Oxidation. Fast alle Tiere und Pflanzen stellen ihr Vitamin C aus Blutzucker selbst her. Nur Menschen, Affen und Meerschweinchen haben diese Funktion im Laufe der Evolution verloren, weil ihnen durch Mutation ein dafür nötiges Enzym fehlt. Deshalb müssen wir Vitamin C über die Nahrung permanent zuführen. Neben seiner Funktion als Radikalfänger ist es außerdem an mehr als 15.000 Stoffwechselvorgängen beteiligt. Unser Immunsystem wäre hilflos ohne dieses Supervitamin, die Leber braucht es zur Entgiftung, der Fettstoffwechsel käme nicht in Gang, Blutgefäße wären den freien Radikalen schutzlos ausgeliefert, was zu Plaques und damit zu Gefahren von Bluthochdruck und Schlaganfall führen kann. Ebenso profitiert die Energiebereitstellung in den Muskelzellen – auch den Herzmuskelzellen - ganz erheblich von einer guten Versorgung mit Vitamin C. Erste, ernsthafte Anzeichen, dass Sie mit diesem wichtigen Vitamin unterversorgt sein könnten, sind unter anderem Zahnfleischbluten, eine schlechte Wundheilung, Schwäche, Abgespanntheit, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Infektanfälligkeit und Allergien.

Studien haben eindeutig bewiesen, dass Angst vor einer Überdosierung mit Vitamin C unbegründet ist. Der Körper kann nur eine gewisse Menge dieses Vitamins aufnehmen und scheidet Überschüsse mit dem Urin aus. Bei der heutigen Ernährungsweise gekoppelt mit dem hohen Stressniveau unserer Zeit und Alkohol und Nikotin, ist eine zu hohe Versorgung ohnehin eher unwahrscheinlich. Eine optimale Versorgung kann jeder selbst an sich feststellen: Wird der Stuhl sämig ohne Durchfall zu sein, dann – Glückwunsch - ist die Versorgung mit Vitamin C optimal. Einfach mal ausprobieren, wobei die Gesamtdosis über den Tag verteilt werden sollte. Hilft übrigens auch gut gegen Verstopfung.

Mein Tipp für Ihre Vitaminversorgung: Messen. Wissen. Handeln. Bitte bleiben Sie gesund!