Andrea Thümmel - Heilpraktikerin
Praxis

Sauer macht nicht immer lustig – und auf Dauer sogar krank

Ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt als Grundlage für Gesundheit

Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles“. Sofasste der französische Wissenschaftler Prof. Claude Bernard Anfang des 19. Jahrhunderts seine Theorie zusammen, nach der Krankheit nur entstehen kann, wenn das körperliche Milieu im Ungleichgewicht ist.

Seine Ansicht ist heute aktueller denn je, denn ein Ungleichgewicht zwischen Säuren und Basen im Körper - und damit eine Übersäuerung des Gewebes - gilt als Grundlage für so ziemlich jede Krankheit. Doch was genau sind Säuren und Basen und welche Rolle spielen sie für unsere Gesundheit?

Unser Körper ist ein ausgeklügeltes und perfekt funktionierendes System, bei dem alle Vorgänge zu jeder Sekunde exakt aufeinander abgestimmt sind. Dabei ist der Körper ständig bestrebt, unter allen Umständen im Gleichgewicht zu bleiben.

Eines der wichtigsten Systeme zur Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts ist der Säure-Basen-Haushalt. Säuren und Basen werden - chemisch betrachtet - in pH-Werten gemessen. Die Abkürzung pH steht für „potentia Hydrogenii“, also für die Konzentration von Wasserstoff-Ionen in einer Flüssigkeit. Die Konzentration dieser Ionen und damit der pH-Wert ist ein Maß dafür, ob eine Lösung sauer oder basisch ist. Ein pH-Wert von 7 gilt als neutral, alles darunter (pH-Wert 1 bis 7) ist sauer, alles darüber (pH-Wert über 7 bis14) ist basisch.

So ist unsere Magensäure mit einem pH-Wert von 1,5 noch saurer als eine Zitrone (pH-Wert 2,4). Unsere Hautoberfläche ist ungefähr so sauer wie Regen (pH-Wert 5,5), der menschliche Speichel schwankt mit einem pH-Wert von 6,5 bis 7,5 zwischen alkalisch und basisch. Unser Blut ist mit pH 7,4 leicht basisch und toleriert so gut wie gar keine Abweichungen von diesem Wert. Die Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse sind mit einem pH-Wert von 8,0 basisch und im Darm herrscht wieder ein leicht saures Milieu. Diese unterschiedlichen pH-Werte braucht der Körper, um einwandfrei funktionieren zu können.

Aus dem Wissen um die pH-Werte leiten sich viele Ernährungsregeln ab. Somit erklärt sich zum Beispiel, warum man zum Essen kein Wasser trinken sollte. Die meisten Wässer haben einen neutralen pH-Wert und „verwässern“ den pH-Wert der Magensäure im wahrsten Sinn des Wortes, was wiederum die Verdauung belastet. Milchsauer vergorene oder rechtsdrehende Lebensmittel unterstützen den Darm, indem sie zu einem für die Verdauungsarbeit saurem Milieu beitragen. Säuren und Basen sind also weder gut noch schlecht; wir brauchen beide zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen.

Stress, falsche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Nikotin und Alkohol machen uns nicht nur im übertragenen Sinn sauer. Sie wirken im Körper stark säurebildend. Da der Körper nur geringfügige und kurzfristige Abweichungen von den jeweiligen pH-Werten duldet, ist er bestrebt, überschüssige Säuren zu neutralisieren. Das macht er mit bestimmten Puffersystemen in Blut, Lunge, Niere, Darm und Haut. Werden wir dauerhaft durch zum Beispiel anhaltenden Stress mit „Säuren“ überschwemmt, kapitulieren früher oder später die Puffersysteme. Im Körper befinden sich dann mehr Säuren, als neutralisiert werden können. Der Körper hat jetzt nur noch die Möglichkeit, die Säuren im Gewebe abzulegen, das dadurch schlechter durchblutet wird. Der Volksmund nennt das Schlacken. Muskelverspannungen und-schmerzen, Müdigkeit und schlechte Laune sowie ein Leistungsknick sind nur einige der ersten, ernsthaften Anzeichen einer beginnenden Übersäuerung. Als weitere Folge funktioniert die körpereigene Entgiftung nicht mehr, wir werden langsam und schleichend krank.

Mögliche Anzeichen einer Übersäuerung 

  • Rasche Ermüdung und Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Unerklärlicher Leistungsknick
  • Schlechte Laune und Antriebsschwäche
  • Schmerzen in Rücken und Nacken
  • Muskelkrämpfe
  • Häufige Infekte
  • Allergien
  • Kopfschmerzen
  • Sodbrennen
  • Brüchige Nägel

Wie beugen Sie einer Übersäuerung wirkungsvoll vor?

Stress reduzieren

Stress gilt als einer der Hauptgründe für Übersäuerung. Ganz gleich, ob er von außen kommt oder „hausgemacht“ ist, egal ob durch die Familie oder den Beruf ausgelöst. Gönnen Sie sich daher hin und wieder kleine Auszeiten. Schalten Sie Handy, Laptop und Fernseher mal für einen Tag aus. Trainieren Sie, sich zu entspannen. Tai-Chi, Yoga und Meditation sind leicht zu lernen. Wenige Übungen regelmäßig ausgeführt bringen Sie in einen wunderbaren Entspannungsmodus.

Basisch ernähren

Auch die richtige Ernährung trägt maßgeblich dazu bei, einem übersäuerten Körper ein basisches Gegengewicht zu geben. Im Gegensatz zu Säuren, die der Körper selbst bildet, müssen Basen zugefügt werden. Als Faustregel gilt: Essen Sie viel Obst und Gemüse und trinken Sie zwei bis drei Liter stilles Wasser, am besten Quellwasser. Auch ein Basenbad, ein basischer Tee oder Basencitrate regulieren den Säure-Basenhaushalt. Bitte Basenpräparate nicht ohne Rücksprache mit einem Therapeuten einnehmen!

Anbei eine Auswahl an Basen- und Säurebildnern:

Wirkt basisch:

  • Obst, besonders Zitrusfrüchte (!)
  • Gemüse und Salate
  • Kartoffeln
  • Molke
  • Sojaprodukte
  • Naturjoghurt

Wirkt azidotisch (sauer):

  • Die meisten tierischen Produkte (Fleisch, Geflügel, Wild)
  • Fisch, Meeresfrüchte
  • Käse, Quark
  • Getreide, einschließlich Vollkornprodukte sowie Reis, Mais und Cornflakes

Neutral wirken:

  • Spargel
  • Erbsen
  • Kefir und Sahne
  • Butter, Öl und Margarine
  • Wasser
  • Bittere Schokolade

Regelmäßig bewegen

Treiben Sie Sport oder gehen Sie regelmäßig spazieren. 3 mal 30 Minuten in der Woche reichen bereits aus, um mittelfristig das Wohlbefinden zu steigern.

Für gesunden Schlaf sorgen

Gut einzuschlafen und morgens ausgeruht aufzuwachen ist nicht für jeden selbstverständlich. Daher ein paar Tipps rund um das Schlafen:

Das Schlafzimmer sollte gut gelüftet sein. Die optimale Temperatur liegt bei 18 bis 19 Grad. Am Abend nicht zu viel und nicht zu fett essen, sowie mit Kohlehydraten geizen.

Vier Wochen lang zur gleichen Zeit ins Bett gehen, auch am Wochenende.

Computer, Schreibtisch und Handy gehören nicht ins Schlafzimmer. Auch Fernsehen bis zur letzten Minute kann den Schlaf stören.

Alle 10 Jahre über eine neue Matratze nachdenken.

Nach Möglichkeit Nikotin, Kaffee und zu viel Alkohol vermeiden.

Nicht permanent auf den Wecker schauen. Das erhöht den Stress zusätzlich.

Für positive Gedanken sorgen

Gedanken können sehr machtvoll sein. 90 Prozent unserer Gedanken kreisen immer wieder um die gleichen, meist negativen Themen. Erkennen Sie Ihre Gedankenschleifen und programmieren Sie auf Dauer immer mehr positive Gedanken in Ihrem Unterbewusstsein. Mentaltraining unter Anleitung eines Therapeuten kann dabei sehr hilfreich sein